Projekt Ackerwildkräuter
Ein Pilotprojekt der Stadt Ludwigsburg für die Grüne Nachbarschaft zur Belebung der Ackerflur (Foto: Ackerwildkräuter und Kornrade im Mai 2007)
Blühende Inseln - (k)ein Traum
Sind Ihnen im Frühjahr rings um Hoheneck farbenfroh blühende Felder aufgefallen?
Vor allem im Bereich Heilbadweg und östlich des Favoriteparks bringen leuchtende Inseln aus Ackerwildblumen Abwechslung in Acker- und Wiesenflächen.
Klatschmohn und Kornrade
Zu den Schönheiten unter den wilden Ackerpflanzen gehört zweifellos der Klatschmohn. Seine leuchtend roten Blüten sind den Spaziergängern bestens bekannt. Die purpurviolette Kornrade dagegen, Blume des Jahres 2003, ist wie die Kornblume oder der Ackerrittersporn auf unseren Äckern kaum mehr zu finden und vom Aussterben bedroht. In Hoheneck hat die Stadt Ludwigsburg mit dem Projekt Ackerwildblumen dafür gesorgt, dass Unkraut nicht vergeht und auf insgesamt 2 Hektar stillgelegten Ackerflächen Samen von selten gewordene, typischen Ackerwildkräutern aussäen lassen – und dafür 2004 beim Wettbewerb Landschaftspark Region Stuttgart einen Sonderpreis erhalten.
Seither wurden die Flächen nur einmal jährlich im Sommer nach der Blüte gemäht und gegrubbert, d.h. der Boden wird oberflächlich aufgerissen. So erhalten die reifen Samen optimale Bedingungen, um im nächsten Jahr wieder zu erblühen.
Landwirten sind Ackerwildkräuter trotz aller Farbenpracht meist ein Dorn im Auge. Sie werden als „Unkraut“ angesehen, das in Konkurrenz zu den angebauten Kulturpflanzen tritt, Wasser, Licht und Platz benötigt und den Ernteertrag schmälert, kurz: auf den Feldern nichts zu suchen hat. Neben den regelmäßig angewendeten Unkrautvernichtungsmitteln tat eine hocheffiziente Saatgutreinigung ein Übriges, dass sich Ackerwildkräuter auf den Feldern sehr rar machten – und damit auch die sie besuchenden Insekten wie Wildbienen, Hummeln und Schmetterlinge.
Wildässungsfläche bietet Wildtieren auch im Winter Nahrung und Deckung
Auch die häufig von Nebenerwerbslandwirten praktizierte Flächenstilllegung, bei der Ackerflächen über mehrere Jahre brach liegen und der zum Teil eingesäte, zum Teil wild aufkommende Aufwuchs gemäht wird und liegen bleibt, bietet keine Wachstumsmöglichkeiten für Ackerwildkräuter. Denn diese sind in der Regel einjährig und verbreiten sich mit Samen, die nur auf offenem Ackerboden keimen oder dort immer wieder ins Erdreich eingearbeitet werden müssen, um wieder zum Wachsen und Blühen zu kommen.
Das brachte die Abteilung Grünflächen und Ökologie der Stadt Ludwigsburg im Rahmen der Grünen Nachbarschaft auf die Idee, die vielen in Hoheneck aus der Produktion genommenen Ackerflächen als „Reservate“ für Ackerwildkräuter und gleichzeitig auch als „Farbfelder“ einzusetzen. Im Jahr 2004 wurde der erste Nebenerwerbslandwirt dafür gewonnen, ca. 2 ha Ackerbrache mit einer von der Stadt Ludwigsburg gestellten Ackerwildblumenmischung – alles Wildpflanzensaatgut aus regionalem Anbau – anzusäen. Jetzt im dritten Jahr, haben sich nach entsprechender regelmäßiger Bearbeitung der Äcker mittels Pflügen und Grubbern der Ackeroberfläche sowie Mähen und Abräumen des Aufwuchses farbenfrohe Ackerwildblumenfelder entwickelt, die gerade jetzt in voller Blüte stehen.
Die Kosten für das Saatgut, das Ansäen und die erste Pflege wurden durch den Sonderpreis beim Wettbewerb Landschaftspark Region Stuttgart in Höhe von 3.000€ nahezu gedeckt. Für die weiteren Zusatzaufwendungen, die der Landwirt im Vergleich zu den üblichen Stilllegungsflächen hat – Aufnahme und Abfuhr des Aufwuchses sowie eine Bodenbearbeitung – sind für den entsprechenden ökologischen Nutzen und die deutliche Landschaftsaufwertung mit ca. 0,05 – 0,07 €/qm , verhältnismäßig gering. Sie werden sich im Laufe der Jahre voraussichtlich reduzieren, da durch Nährstoffentzug und Verzicht auf jegliche Düngung die Blatt- und Pflanzenmasse immer geringer wird.
Im Jahr 2007 konnte das Projekt um weitere 2 ha aus der Produktion genommene Flächen eines Hohenecker Nebenerwerbslandwirts erweitert und ebenfalls mit Ackerwildkräutern – an einer Stelle auch mit einer Wildäsungsmischung - eingesät werden. Während die Ackerwildblumenflächen in erster Linie zum Erhalt unserer Ackerwildkräuter, als Insektennahrung sowie auch als wertvolle Futterquelle für Feldbrüter (z.B. Feldlerche und Rebhühner) dienen, erfüllen die Wildäsungsflächen zusätzlich den Zweck, auch über den Winter Schutz, Deckungs- und Nahrungsgrundlage für Feldtiere und Amphibien bieten zu können.
Im Frühjahr, von Mai bis Juni ist die beste Zeit, um die in voller Blüte stehenden, inzwischen selten gewordenen Ackerwildblumen zu entdecken, deren Farbpalette von pink über gelb, orange, blau, weiß und rot mit vielen Farbabstufungen reicht.
Die blühenden Felder, mit einer Fläche von insgesamt 4 ha, befinden sich entlang von Feldwegen zwischen Reichertshalde und Grünanlage Hungerberg, zwischen Heilbadweg und Reichertshalde , entlang des Ostwegs am Favoritepark sowie nördlich des Umspannwerks.
Es ist beabsichtigt, das Projekt auch auf weiteren Gemarkungsflächen der Grünen Nachbarschaft fortzuführen.
Hier ist eine kleine Auswahl an Wildblumen, die ihnen auf dem Weg begegnen können:
Kornrade (pink), Ackerglockenblume (blau), Ackerringelblume (gelb-orange), Wegwarte (blau), Mohn (rot), Färberkamille und Königskerze (gelb), Weiße Lichtnelke (weiß), Vogelwicke (violett) sowie viele andere Wildkräuter.
Ackerwildblumen im Anschluss an ein Getreidefeld.
Im Hintergrund sind die grünen stillgelegten Flächen zu sehen, im Vordergrund die eingesäten Ackerwildblumen.
Blühende Felder am Wegerand.